Gefühle sind unzuverlässig

Denken und Fühlen sind zweierlei.

Gefühle (und ich meine hier nicht Grundgefühle oder Basisemotionen wie Freude, Liebe, Angst oder Hass, sondern »kinästhetische Wahrnehmungsempfindungen«) sind unzuverlässig.

Ein Beispiel: Nach einer längeren Autobahnfahrt in einem schnelleren Wagen scheint die Geschwindigkeit in der engen Kurve der Autobahnausfahrt mit dem, was auf dem Tacho steht, plötzlich nichts mehr zu tun zu haben. Alles erscheint enorm verlangsamt. Und es braucht einige Zeit, bis sich unser gewohntes Empfinden für Geschwindigkeit wieder eingestellt hat.

Das, was wir fühlen, ist sehr von unseren Gewohnheiten abhängig.

Das, was wir uns angewöhnt haben, erscheint uns schnell »normal« und »richtig«, auch wenn es bloß eine Angewohnheit und »üblich« ist.

Verschränken Sie einmal die Arme, so wie Sie es immer tun, und wechseln Sie dann die Arme, den unteren nach oben, den oberen nach unten.

Tun Sie dies auch einmal, wenn jemand vor Ihnen steht (vielleicht verlagern Sie auch Ihr Gewicht auf die ungewohnte Seite), und nehmen Sie wahr, wie ungewohnt das ist und dass Sie vielleicht sogar das Gefühl haben, dem anderen müsse auffallen, dass Sie da etwas Besonderes, sehr Merkwürdiges tun.

Nehmen Sie Ihre Maus (die Sie vielleicht immer nur mit Ihrer dominanten Hand bewegen) in die andere Hand oder berühren Sie Ihr Touchpad mit den Fingern der anderen Hand. Eine Minute oder zwei.

Schlagen Sie Ihre Beine übereinander, einmal so, wie Sie es üblicherweise tun, einmal so, wie Sie es eher selten tun. Probieren Sie dies auch, wenn Sie die Beine eigentlich sonst nie übereinander schlagen.

Das, was wir seltener tun, fühlt sich häufig seltsam an, und manchmal auch ganz falsch.

Machen Sie sich bewusst, dass viele andere Menschen das, was Sie selten tun, häufig tun, und umgekehrt.

Gehen Sie heute einmal auf die Suche nach dem, was Sie immer so und nie anders machen.

Ihre »Muster«, wie man heute gerne sagt.

Das, was Ihnen gewohnt ist und lieb.

Und was Sie ungern lassen.

Spielen Sie ein bisschen mit dem, was Sie finden werden, übertreiben Sie es, lassen Sie es, machen Sie es ganz bewusst so, wie Sie es immer tun oder ganz anders.

Und nehmen Sie wahr, dass es immer ein bisschen leichter ist, das, was man gewohnheitsmäßig tut, ein weiteres Mal zu tun, als etwas Neues, bisher Ungewohntes zum ersten, zweiten oder dritten Mal.

Auch wenn das, was Sie jetzt schon zum zweiten oder dritten Mal tun, genau das ist, was Sie »eigentlich« wollen.

(Für den Fall, dass Sie sich angewöhnt haben sollten, diese Mails nur zu lesen: Denken und Fühlen sind zweierlei.)

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