2.000 VAKOG-Prädikate

In den besten Rhetorik- oder Kommunikationsseminaren lernen die Teilnehmer heute manchmal auch, dass Menschen sich selbst und ihre Welt sinnesspezifisch sehr unterschiedlich organisieren und dass diese inneren Repräsentationen hörbar sind.

Für das geschulte Ohr.

Es ist ein Unterschied, ob jemand sagt Das ist mir klar (V_isuell) oder Das ist stimmig (A_uditiv) oder Das begreife ich (K_inästhetisch).

Dafür hat sie ein Näschen (O_lfaktorisch) oder Das schmeckt mir gar nicht (G_ustatorisch).

Ein hörbarer Unterschied.

Wenn Sie in der Lage sind, die innere Organisation Ihres Gesprächspartners zu hören und sich flexibel darauf einzustellen, erleichtert dies Ihnen und Ihrem Gesprächspartner Verstehen wie Verständnis.

Drum lohnt es sich sehr, es zu lernen.

Lernen aber, vielleicht haben Sie diese Erfahrung in einem Seminar oder Kurs selbst schon einmal gemacht, heißt auch hier oft:

Einige wenige Beispiele werden präsentiert, zwei, drei Übungen dazu.

Und das neu Gelernte ist schnell wieder vergessen und bei weitem nicht integriert.

Um kommunikativ wirklich kompetenter zu werden, braucht´s ein bisschen mehr.

Ich habe Mitte der 1980er-Jahre (als ich in Hamburg Linguistik studierte und just for fun) einmal den deutschen Wortschatz auf VAKOG-Prädikate hin durchforstet und gut 2.000 Formulierungen gesammelt.

Und werde daraus demnächst – damit’s nicht ganz verlorene Liebesmüh war und Sie sich selbst und einander noch besser verstehen – ein kleines Übungsprogramm zusammenstellen (vielleicht ein E-Book, vielleicht ein kleines Seminar), auf dass Sie wahrzunehmen lernen, wie Ihr Gegenüber tickt (A), wie er oder sie die Welt sieht (V) und was sie oder ihn berührt (K).

Dergestalt (strukturell) zu hören kann man lernen.

Etwas Lesefutter (G_ustatorisch) vorab, mit und ohne Klammer:

zupacken (K)

brummig (A)

der rote Faden (V)

sauer sein (G)

etwas aufgreifen (K)

Bei ihm dämmert es. (V)

keinen Finger daran rühren

Das riecht nach Ärger. (O_lfaktorisch)

sich innerlich von einem Druck befreien (K)

nur unter Zeitdruck arbeiten können (K)

Ich bin entspannt.

Leisetreter (A)

Zusammengehörigkeitsgefühl

Das fühlt sich gut an. (K)

Das wärmt mir das Herz.

im Einklang sein (A)

Nachsicht walten lassen (V)

nachplappern

glänzender Einfall

Zartgefühl

Lass mal sehen! (V)

Das bringt mich nicht aus dem Takt. (A)

Gefühlschaos (K)

Ein Gedicht! (A)

Etwas fügt sich noch nicht ins Bild.

einen Blick für die Nuancen haben

Unerhört! (A)

Ich möchte dir etwas zeigen.

gut nachzuvollziehen

Es gibt verschiedene Stimmen.

Eine Augenweide! (V)

Da gibt es noch Stolpersteine. (K)

Stimmt!

Es gibt verschiedene Blickwinkel.

Ich habe da ein komisches Gefühl.

Das hört sich so an, als ob …

Mir scheint …

Das zieht mir den Boden unter den Füßen weg.

Das leuchtet mir ein.

Das kratzt mich nicht. (K)

Wie hört sich das an für dich?

Das sieht gut aus.

ein feines Gespür

Wie siehst du das? (V)

Das begreife ich.

Davon sehe ich mich nicht beeinträchtigt.

abblenden

abblitzen lassen (V)

bildlich

dunkle Existenz

im Auge behalten (V)

ein Auge zudrücken

Farbe bekennen

absehen von

abgeklärt (V)

aufblitzen

betrüben

brillant

Bühne

Anschauung

anscheinend

ausmalen

finster

Geflimmer

aussichtslos (V)

behelligen

beleuchten

benebelt (V)

aufklaren

einsichtig

sich eintrüben

erbleichen

Froschperspektive (V)

entgegensehen

glanzlos

ergrauen

sich genötigt sehen

Gesichtsfeld

Geistesblitz

erröten

Gespenster sehen (V)

hell werden

sich klar werden

kurzsichtig

Leuchte

klarmachen (V)

imaginär

nachgucken

nebelhaft

Nachsicht üben (V)

Lebensanschauung

Klärung

die Lust trüben

tiefblickend

malerisch

leuchten

absprechen (A)

Akkord

anfragen

Anklang

Abstimmung

anquatschen

in Abrede stellen (A)

bereden

Beileid aussprechen

beantworten

Bekundung

bestimmbar (A)

bestimmend

betonen

dazwischenreden

disharmonisch

Betonung

ins Ohr gehen (A)

einstimmen

eintönig

ein Wort einlegen (A)

Donnerwetter

einberufen

Ferngespräch

Erfolg versprechend (A)

erwähnenswert

Erzählung

erdichten

Harmonie

Geplapper

gestimmt

Gleichklang (A)

das Gras wachsen hören

ins Gerede kommen

Gestimmtheit

herbeizitieren

geräuschvoll

klaglos (A)

Klang

sich herumsprechen

horchen

Jawort

läuten

auf den Kopf zusagen

knurren

Klagelied

mehrstimmig (A)

nachplappern

sich lossagen

harmonieren

Feingefühl (K)

Gefühlsmangel

Hochgefühl

Kaltblütigkeit

lauwarm

Mitgefühl (K)

Nackenschlag

auf den Nägeln brennen

nervenzerrüttend

einen Rippenstoß geben

schmerzempfindlich

eine Gänsehaut bekommen (K)

gefühlsmäßig

freie Hand lassen

Handfertigkeit

das Heft in der Hand haben (K)

herzenswarm

jucken

Lebensgefühl

mitfühlend

auf Nadeln sitzen (K)

auf die Nerven gehen

jemanden auf den Arm nehmen

leicht nehmen

Ihm brennt der Boden unter den Füßen.

Das schlägt dem Fass den Boden aus.

ein Gefühl der Beklemmung

unter Druck sein

in Bedrängnis kommen (K)

sich die Finger verbrennen

jemanden scharf anfassen (K)

Mir sind die Hände gebunden.

sein Herz in beide Hände nehmen (K)

den Stier bei den Hörnern packen

jemanden kalt stellen

Er begriff es nicht.

Das liegt mir schwer im Magen.

wissen, wo einen der Schuh drückt

Er fühlte sich angenehm berührt.

sich abgespannt fühlen

Kontakt wünschen

ganz erledigt sein (K)

Wut im Bauch haben

die Hände in den Schoß legen

Nimm´s leicht! (K)

ein heißes Eisen anfassen

seine Finger dazwischen haben

Luft bekommen

jemanden in die Zange nehmen

Er ließ nicht locker.

Er steht auf eigenen Beinen.

eine klare Entscheidung treffen (V)

lernen, denken, meinen, wissen, wahrnehmen (unspezifisch)

__

Nach dieser Erfahrung (so sie denn nicht einfach hierher gesprungen sind):

Bilden diese unterschiedlichen Prädikate tatsächlich Unterschiede in der Weltwahrnehmung ab?

Und kann man auf dieser Grundlage eine VAKOG-Typologie erstellen?

Die es Ihnen vielleicht sogar erlaubt, Ihren Gesprächspartner in eine finstere (V), knarrende (A), kalte (K), muffige (O) Schublade zu stecken?

Oder wäre dies „unwissenschaftlich”?

(Und nicht bloß geschmacklos [G].)

Ich weiß es nicht.

Studien, die dies belegen, gibt es nicht.

Warum es sich dennoch lohnt, sich für sprachliche Muster zu sensibilisieren?

Ohne gleich eine Typenlehre daraus zu stricken?

Weil Zuhören nicht bloß Abwarten ist. Oder?

Und eine Typenlehre ein großer Tanker im Vergleich zum gekonnten Segeln von Satz zu Satz.

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